2025-11-22 Blogpost #054 Jassy&Felix

Heimkehr über die Dänische Südsee

Von der Küste vor Dyvig geht es in die dänische Südsee über Lyø (ca. 22 sm) nach Ærøskøbing (ca. 14 sm) und Marstal (ca. 13 sm). Von dort aus gelangen wir wieder in deutsche Gewässer und machen einen Stopp in Kappeln (ca. 30 sm), um ein paar Dinge zu erledigen. Von dort aus segeln wir nach drei Monaten wieder in unseren Heimathafen nach Flensburg zurück (ca. 36 sm). 

Wir verlassen unsere idyllische Ankerbucht vor Dyvig und somit auch unsere Segelfreunde. Nach einem kurzen Morgenbad verabschieden wir uns und motoren bei kompletter Windstille langsam Richtung Lyø. Ein paar Mal versuchen wir, das Segel zu setzen, nehmen es aber schnell wieder runter. Es bringt einfach nichts. Da wir doch eine gute Strecke vor uns haben, können wir aufgrund der Akkukapazität des Elektromotors nur mit ca. 3 kn motoren. Die Sonne knallt und es ist ultra heiß im Cockpit, sodass wir uns wünschen, schnell anzukommen. Vor Lyø werfen wir den Anker, die letzte freie Ankerboje hat sich vor unseren Augen schon jemand anders geschnappt ;). Die Bucht wirkt groß und voll (>20 Boote). Wir fahren langsam den Untergrund ab und warten zwischen all dem Seegras auf einen Sandfleck, um dort den Anker zu versenken. Nach einiger Zeit finden wir eine geeignete Stelle und sind endlich fest. Felix kontrolliert mit dem SUP, ob der Anker gut liegt. Wir haben Glück und sind beruhigt, denn in der Nacht soll es wieder mal stürmisch werden. Wir baden und fahren einmal mit dem SUP zum Strand, wo ein Segelboot vor längerer Zeit auf Grund gelaufen zu sein scheint. Danach machen wir Abendessen und gehen schlafen. Der nächste Tag ist grau, sehr windig (Felix misst 25 kn mit dem Handwindmessgerät) und ungemütlich. Eigentlich wollten wir nun einfach entspannt in den angrenzenden Hafen von Lyø fahren, aber wir entscheiden uns um. Wir haben bei diesem Wetter keine Lust auf ländliche (Dorf)-idylle, zudem ist das Wetter für die kommenden vier Tage zu windig zum Weiterfahren angesagt. Das heben wir uns für ein andermal auf. Mit dem Wind und der verbliebenen Akkukapazität sollten wir es auch bis Ærøskøbing schaffen. Wir setzen noch vor Anker das Großsegel und fahren los. Für Felix ist es ein ganz schöner Kraftakt, den Anker hochzubekommen, was nach unseren Erfahrungen aber beruhigend ist. Die Fahrt nach Ærøskøbing ist kurzweilig aber auch ziemlich schaukelig. Wir sind gespannt, ob wir einen Platz bekommen werden, denn der Hafen ist sehr beliebt. Wir haben Glück und finden einige freie Boxen vor. Das Anlegen klappt (aus meiner Sicht) trotz kräftigem Seitenwind gut. Meine Sorge galt eher Jill, die es mittlerweile schafft sich eigenständig aus der Babyschale zu befreien, in die sie während des Anlegens geschnallt wird. Nachdem sie sich dabei halb stranguliert hat, macht sie sich auf, die Treppe am Niedergang zu erklimmen. Sollte sie dabei stürzen, würden wir das nicht mal mitbekommen. Aber wir haben das Anlegen schnell genug geschafft und es ist nichts passiert. Bald stellen wir anhand der Vereinsflagge fest, dass wir neben einem unserer Vereinsmitglieder liegen. Ein lustiger Zufall! Wir tauschen uns ein wenig über unsere Pläne und bisherige Reise aus. Dann erkunden wir den Hafen. Die Anlage ist schön übersichtlich, es gibt einen Spielplatz für die Kids, Minigolf und eine tolle Grillwiese mit Hütten. Dort krabbelt Jill eifrig hin und her und auch die Babyschaukel wird genutzt. Zum Mittag holen wir uns Fisch bei einer Räucherei um die Ecke. Da es stürmisch werden soll, bauen wir noch die Kuchenbude auf. Am nächsten Tag ist es sehr windig und wir gucken uns die kleine Ortschaft an. Es sieht sehr schnuckelig aus, viele bunte alte Häuser. An vielen Häusern sind Spiegel angebracht, durch die man scheinbar von drinnen raus auf die Straße sehen kann. Ist uns so noch nie irgendwo anders aufgefallen. Nachmittags gehen wir an den Strand. Der ist umgeben von einer Vielzahl bunter Badehäuschen, es sieht malerisch aus. Das Wasser ist türkis und ganz flach. Es sieht so einladend aus, dass ich spontan baden gehe und gar nicht mehr raus will. Hier können wir die Bezeichnung Südsee das erste Mal nachvollziehen. Da die Bucht windgeschützt liegt, können wir sogar noch entspannt am Strand sitzen. So muss das sein 🙂

Tags drauf fahren wir mit dem kostenlosen Bus nach Marstal. Es ist grau, windig und frisch. Uns gefällt es dort nicht so gut, kann aber auch am Wetter liegen. Außerdem ist Jill sehr anstrengend und quengelt die ganze Zeit. Der Hafen ist relativ groß und lang. Auch hier gibt es an einem Strand wieder bunte Badehäuschen. Nachdem wir alles kurz besichtigt haben, kehren wir auch bald zurück. Zurück in Ærøskøbing essen wir super leckeres Eis, kaufen ein und machen Burger. Danach sind wir platt und gehen ins Bett. Der nächste Tag ist wieder stürmisch. Wir frühstücken gemütlich und schlendern nochmal durch den Ort. Auf dem Marktplatz gönnen wir uns sehr leckere Spareribs und beschließen, bereits am nächsten Tag weiterzufahren, da sich ein gutes Wetterfenster abzeichnet. Wirklich schade, dass wir hier wettertechnisch keinen weiteren Badetag hatten… von den Gegebenheiten her wäre es wunderbar gewesen.

Nachdem wieder alles abgebaut und segelklar verstaut ist, legen wir am nächsten Tag ab. Wir bekommen netterweise Unterstützung vom Nachbarboot, denn der Wind drückt uns doch ziemlich zur Seite. Wir sind uns noch nicht ganz schlüssig, wo die Reise hingehen soll. An sich möchten wir Kappeln ansteuern. Schnell stellen wir jedoch fest, dass der Wind aus der entgegengesetzten Richtung wie angesagt kommt. So wird das schwierig… plötzlich meint Felix, die Wellen und der Wind würden drehen, jetzt kommen die Wellen plötzlich von beiden Seiten. Das sieht ganz seltsam aus. Dann schläft der Wind komplett ein und wir haben Flaute. So kommen wir nicht weit… wir sind frustriert, eigentlich haben wir uns auf einen entspannten Törn gefreut und nun muss wieder spontan umdisponiert werden. Während wir noch überlegen, zeichnet sich auch der Grund für den seltsamen Wetterwechsel ab: Ein Gewitter zieht auf. Wir bekommen einen kräftigen Schauer ab und geben für heute auf. Nach nicht einmal 13 sm fahren wir in den Hafen von Marstal ein. Dort waren wir ja bereits mit dem Bus gewesen. Immerhin wissen wir nun, wo wir am besten anlegen. Wir kommen bei Sonne neben einer anderen Comfortina zu liegen und sind happy mit unserer Entscheidung. Wir haben nicht viel vor, holen uns nur einen Hot Dog, lassen Jill toben und sitzen ein wenig im Cockpit. Um uns herum wird gegrillt, zusammengesessen und gelacht. Es herrscht eine tolle Ferienstimmung und gefällt uns heute im Gegensatz zum vorherigen Besuch richtig gut. Schön, dass wir auch diese Seite des Ortes noch erleben konnten! 

Am nächsten Morgen kommt nun die Etappe, die uns nach Deutschland zurückführt. Kappeln oder Flensburg soll es werden. Wir legen bei Windstille ab, doch da ist schon der Wurm drin. Beim Einholen der Vorderleine verhakt sich diese in einer Lücke zwischen den Stegplanken. Glücklicherweise ist unser Bootsnachbar zur Stelle und macht uns frei. Nach der Hafenausfahrt kommt ein enges Fahrwasser. Felix möchte bereits das Großsegel setzen und geht nach vorn. Ich sehe auf dem Tablet, dass wir uns rasch dem flachen Wasser nähern. Ein Blick auf den Tiefenmesser gibt mir recht. Ich rufe Felix zurück, wir reißen das Ruder rum… aber wir stehen! Ein richtiger Ruck geht durchs Schiff, wir sind auf Grund gelaufen. Zum Glück ist der Untergrund sandig. Durch einen kräftigen Rückwärtsschub mit dem Motor kommen wir sofort wieder frei und fahren mit dem Schrecken weiter. Mir sitzt der Schreck tief, ich habe Sorge, dass etwas kaputt gegangen sein könnte. Ein Blick in die Bilge zeigt jedoch, alles ist in Ordnung. Felix ist über die Situation natürlich überhaupt nicht erfreut, aber zumindest was das Boot angeht ziemlich entspannt. Bewusst haben wir uns ein robustes Schiff gesucht und jetzt haben wir auch sowas erlebt. Das machen wir nicht nochmal. Wir setzen die Fahrt fort. Hinter der Insel dann die nächste Herausforderung: Es ist windiger und welliger als angesagt. Wir fahren hart am Wind mit über 6 kn fast direkt auf Schleimünde zu, was allerdings noch gut 4 h entfernt ist.

Kurz vor der Schleimündung nehmen wir die Segel runter. Wir haben ordentlich Gegenströmung und müssen fast Vollgas geben. Mit etwa 3 kn zuckeln wir am Leuchtturm vorbei, Kappeln entgegen. Die meisten Boote überholen uns, es ist grau und windig. Aber trotz allem ist es ein beruhigendes Gefühl, wieder in bekannten Gewässern zu sein. Nach so langer Zeit wirkt die Schlei und die Einfahrt nach Kappeln idyllisch und wir können nachvollziehen, warum es hier so vielen Leuten gut gefällt. Im Stadthafen sind noch einige Plätze frei und routiniert machen wir in einer der Boxen fest. Am Steg nimmt ein freundlicher Bootsnachbar die Leinen entgegen. Was sind wir froh, diese Etappe nun endlich gemeistert zu haben! Zurück in Deutschland und dort, wo eigentlich alles so richtig begonnen hat. Ein gutes Gefühl! 

Das Schiff ist nach dieser Etappe komplett eingesalzen, wir hatten über 30 kn Wind und es war definitiv die wildeste Fahrt auf unserem Törn. Gleichzeitig hat es sich aber nicht so angefühlt. Während wir kurz Verschnaufen und Klarschiff machen beobachten wir einige andere Boote beim Anlegen und es wird schnell deutlich, dass es offenbar für viele nicht so einfach ist, wie es bei uns ausgesehen haben muss. In den letzten drei Monaten haben wir viel erlebt und viel gelernt, vielleicht sind wir inzwischen keine blutigen Anfänger mehr.

Nach einer kurzen Verschnaufpause bestellen wir Pizza ans Boot und lassen parallel eine Wäsche durchlaufen. Dass wir uns hier auskennen und keinen Erkundungsdrang verspüren, ist sehr entspannend.  Am nächsten Tag stehen ein paar Erledigungen an und wir genießen die Stadt aus der Touristenperspektive. Tags darauf geht es dann endgültig zurück nach Flensburg. Wir starten gemütlich und haben wenig Wind. Sobald wir wieder auf der Ostsee sind, schläft der Wind fast komplett ein. Aber wir haben es nicht eilig und lassen uns vom Wind treiben. Trotz allem kommen wir schneller voran als damals auf unserem nebligen Überführungstörn im Oktober. Alles, was wir nun passieren, kennen wir und ist uns auch vom Land her bekannt. Was für ein Unterschied zu den vorherigen Segeletappen! Als wir die Schwiegermutter(markantes Seezeichen in der Förde) hinter uns gelassen haben, frischt der Wind auf und wir sausen die letzten Meilen Richtung Heimathafen. Es ist später Dienstag Nachmittag und außer uns fast niemand auf dem Wasser. Es macht nochmal richtig Spaß und wir sind wehmütig und aufgeregt zugleich. Das letzte Mal Segel bergen,  Jill in den Sitz schnallen, das Anlegemanöver besprechen und hoffen, dass wir die richtige Box erkennen. Wir sehen sie sofort und dank der Sorgeleinen und dem wenigen Wind legen wir perfekt an. Geschafft! Nach gut drei Monaten auf der Ost- und Nordsee sind wir wieder wohlbehalten zurück. Mü hat gezeigt, dass das Refit alle Mühe wert war und uns sicher durch alle Situationen manövriert. Wir können uns auf unser Schiff und uns als Crew verlassen und sind an unzähligen Erfahrungen reicher. Was für eine aufregende Zeit!

Als wir den Steg entlanggehen, treffen wir zufällig Bekannte aus dem Verein, die gerade los wollen. Wir setzen uns spontan auf ihrem Boot zusammen und berichten kurz von unserer Reise. Am Schönsten zusammenfassen lässt sich unser Ankommen mit ihren Worten: “Ihr strahlt ja richtig!”.

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